EVEL KNIEVEL – THE ULTIMATE

Der Motorrad-Stuntman Evel Knievel ging als Flugpionier in die Geschichte ein. Spektakuläre Sprünge und kapitale Bruchlandungen machten ihn berühmt. Zur Ikone wurde er, weil er immer wieder aufstand.

Als Evel Knievel am 5. März 1967 im Ascot Park Speedway von Gardena, Kalifornien, in die Luft steigt, um mit einer Triumph 15 Fahrzeuge zu überspringen, ist nicht absehbar, wie steil seine Flugkurven später noch werden sollten.

In Filmen sieht man ihn zumeist am Stock gehen. Oft genug wird von diesen kleinen Clips auch eindrucksvoll die Ursache dafür mitgeliefert, warum das so ist. Und gar nicht mal so selten fragt man sich dann: Wieso kann der Typ überhaupt noch gehen?!

Vielleicht, weil die mit Diamanten besetzte Stütze ein Geheimnis hatte: Aufgeschraubt offenbarte sich in diesem wohl berühmtesten Stock aller Zeiten – nie hatte eine Gehhilfe eine höhere TV-Präsenz – Platz für ein Glasröhrchen, in dem sich eine Flüssigkeit unterbringen lässt – „a small Whisky“, wie er gern grinsend betonte. Doch soll der gläserne Container noch andere Substanzen enthalten haben: Starke Schmerzmittel nämlich. Belegt ist das nicht. Glauben möchte man es wohl.

US-Macho: Vor allem das schlichte, chauvinistische Amerika liegt ihm zu Füßen, wozu auch sein patriotischer Aufzug und seine einfachen Lebensweisheiten beitragen.

Denn der Mann muss bis zu seinem Ende sehr leidensfähig gewesen sein. Nachdem er sein Jumper-Kostüm an den Nagel gehängt hatte, überstand er eine Hepatitis, litt an Diabetes, hatte zwei Schlaganfälle, ihm wurde eine Leber transplantiert, und er war schwer lungenkrank. In den letzten drei Jahren hielt sich Knievel immer in der Nähe eines Atemgeräts auf, schluckte bis zu 50 Tabletten am Tag und stand unter ständiger Zufuhr von starken Schmerzmitteln, eine Pumpe versorgte ihn latent mit Morphinen und synthetischem Heroin. Ein bitterer Tribut an ein Leben als Draufgänger, als „all time King of the Daredevils“. Aber wie kam es überhaupt dazu?

Robert Craig Knievel wurde am 17. Oktober 1938 in der Minenarbeiterstadt Butte im US-Staat Montana geboren. In dem rauen Soziotop zählte allein harte Arbeit, und weil dem kleinen Bobby ansonsten nicht viele Regeln vermittelt wurden, wuchs er zu einem hemmungslosen Hallodrio heran, der schon Ärger mit der Polizei hatte, als er sich noch die Eiterpickel von der Kinnlade quetschte.

Im Jahr 1956 landet er wegen „rücksichtslosen Fahrens“ im Knast. Als der in dieser Nacht diensthabende Schließer bei seiner Runde feststellt, welche Gäste derzeit eingebucht haben, entfährt ihm ein folgenreicher Spruch: „What a place! We’ve got Awful Knofel and Evil Knievel.“ In Knievels Nachbarzelle sitzt der Schwerverbrecher William Knofel, der bereits unter dem Spitznamen „Awful Knofel“ bekannt ist, wohl weil es sich so schön reimt. So wird der junge Robert Craig durch die spontane Lust des Wärters auf einen launigen Reim zum „Evil“, was bei Knievel hängenbleibt. Denn später adoptiert er diesen Namen, wohl auch, weil es so schön böse klingt.

Inspirationsquelle: Die »Joie Chitwood Thrill Show«, eine in den 50ern überaus populäre Auto-Stunt-Show, sieht Evel Knievel als Achtjähriger.

Doch gab es mehr als nur krumme Dinger in seinem Kopf: Eishockey, Baseball, Football, Basketball, Boxen – Knievel ging keiner Challenge aus dem Weg. Auch im Rodeo-Reiten und Skispringen versuchte er sich und lernt früh, wie es sich anfühlt, vom Pferd zu stürzen. Und er sammelt Flugerfahrung, wird 1959 gar Skisprungmeister in den Rocky Mountains. Doch Geld ist damit nicht zu verdienen.

Er findet eine Frau, wird Vater, sein Leben wird solider. Im Jahr 1965 zieht er mit Frau und Kind nach Moses Lake, Washington, um dort einen Honda-Motorradladen zu eröffnen. Mit etwas PR will er den Laden ankurbeln und erinnert sich an die „Joie Chitwood Thrill Show“, eine populäre Auto-Stunt-Show, die er im Kindesalter mit seinem Vater besucht hatte.

Die fliegenden Autos hatten den knapp Achtjährigen zutiefst beeindruckt, weshalb er nun beschließt, für seinen Laden auch etwas in der Art zu machen: Einen Sprung mit einer 350er-Honda über eine zwanzig Meter lange Kiste, in der sich etliche Klapperschlangen und zwei Berglöwen tummeln. Doch er springt zu kurz und zertrümmert die Kiste – was den Aktionsradius der Klapperschlangen drastisch erhöht –, kann einen Sturz aber verhindern. Dieser Sprung wird zur ersten öffentlichen Stunt-Einlage von Robert Craig Knievel. Und der Auftakt für eine beispiellose Karriere.

Aua: Dieser letztendlich gescheiterte Stunt war einer der ganz wenigen, den Knievel kein zweites Mal versucht hat. Doch wundert man sich schon, dass er danach keine glockenhelle Stimme hatte …

Wozu der Motorradladen allerdings nicht viel beiträgt, den muss er trotz allem bald wieder schließen. Doch Knievel weiß jetzt, was zu tun ist: Er schart eine Handvoll Gleichgesinnter um sich, arbeitet ein Stunt-Programm aus und nennt seine Show „Evel Knievel and his Motorcycle Daredevils“. Den ersten Auftritt hat die Truppe am 23. Januar 1966 in Indio in Kalifornien, der Höhepunkt: Knievels Sprung über zwei Pickups auf einer Norton, den er sicher landet. Doch schon beim nächsten Engagement, keine drei Wochen später in Barstow, erwischt es ihn dann zum ersten Mal – obwohl er nicht mal selber auf dem Motorrad sitzt.

Der Plan: ein Fahrer aus dem Stunt-Team beschleunigt mit einem Motorrad frontal auf ihn zu, er setzt aus dem Stand im rechten Moment zu einem kapitalen Spreizsprung an und lässt Bike und Fahrer unter sich durchrasen. Doch Knievel springt zu spät hoch und der Kollege erwischt ihn im weit geöffneten Schritt. Schaut man sich den Film dazu an, leuchtet sofort ein, warum dieser gescheiterte Stunt einer der ganz wenigen war, den Knievel kein zweites Mal versucht hat. Doch wundert man sich schon, dass er danach keine glockenhelle Stimme hatte.

Es dauert, bis er wieder beschwerdefrei ist. Knievel zieht jetzt als Solo-Act über die Dörfer und spezialisiert sich auf das Überspringen von Autos. Bis zum 19. Juni 1966 geht das gut. In Missoula, Montana, wagt er den Sprung über zwölf Autos und einen Lastwagen. Er springt erneut zu kurz und bricht sich mehrfach den Arm und mehrere Rippen.

Spätes Erfolgsduo: Zunächst sprang Knievel auf japanischen, englischen und italienischen Motorrädern, bis er dann Harleys XR 750 ausprobierte – und dabei blieb. (Foto: Harley-Davidson Archives)

Doch der Absturz bringt ihm große Medienpräsenz und erstmals macht Knievel die Erfahrung, dass auch das Scheitern wertvoll sein kann – selbst das Fernsehen wird auf ihn aufmerksam. Nach einem Auftritt in der populären Joey-Bishop-Show kennt ihn das halbe Land, seine Gagen steigen. Und die Zahl seiner weiblichen Fans explodiert.

Bis Ende 1967 absolviert Knievel 18 große Sprünge über bis zu 16 Autos, nur zwei der Sprünge enden mit einem Sturz. Bei einem Besuch in Las Vegas sieht er zum ersten Mal die große Brunnenanlage vor dem Ceasars Palace, dem berühmtesten Spielcasino des Landes. Knievel fasst spontan den Entschluss, diese Fontäne zu überspringen, und um diesen Plan zu realisieren, wird er zum Betrüger.

Er erfindet eine fiktive Firma und ergaunert sich ein Treffen mit dem Casino-Chef, der in diesem Gespräch dem Event tatsächlich zustimmt. Als Knievel den Deal in der Tasche hat, nimmt er Kontakt mit ABC auf, dem Sender, der die enorm populäre Sendung „Wide World of Sports“ ausstrahlt. Doch die TV-Leute lehnen ab. Immerhin schlagen sie ihm vor, er könne den Sprung ja selber filmen, und wenn es nur annähernd so spektakulär ist, wie er behauptet, könne man es ja auch später noch ausstrahlen – eine teure Fehlentscheidung.

Denn Knievel engagiert auf eigene Kosten ein Filmteam, und so entsteht ein Clip, der bis heute den Atem stocken lässt. Der Anlauf sieht gut aus, auch Absprung und Flug, alles prima – doch fehlt wieder ein halber Meter. Das Hinterrad trifft hart die Rampenkante, Mensch und Maschine gehen fortan eigene Wege. Nur Hartgesottene sehen sich das zweimal an.

Casino-Hopping: Beim Sprung über die Brunnenanlage vor dem Ceasars Palace bricht Knievel sich zwar etliche Knochen, beide Sprunggelenke, Handgelenke, Hüfte und Becken, fällt aber für 29 Tage ins Koma und geht so den Schmerzen zunächst aus dem Weg.

Knievel hat Glück im Unglück. Er bricht sich zwar etliche Knochen, beide Sprunggelenke, Handgelenke, Hüfte und Becken, fällt aber für 29 Tage ins Koma und geht so den Schmerzen zunächst aus dem Weg. Zudem ist der Film noch deutlich spektakulärer ausgefallen als geplant, weshalb er den ABC-Leuten am Ende den Streifen für eine weit höhere Summe anbietet, die sie vorher hätten zahlen müssen. Doch ABC will diese Bilder um jeden Preis, und so kann schon bald die gesamte Nation den modernen Ikarus bei seinem desaströsen Absturz beobachten, was ihn zur nationalen Berühmtheit macht. Die Diagnose der Ärzte hingegen ist ärgerlich: Nie wieder würde er ohne Krücken gehen können, das Motorradfahren muss er aufgeben, die Springerei mal sowieso.

Seltener Anblick: An Krücken zeigte sich Knievel nur höchst ungern.

Aber es ist für Knievel schlicht keine Option, als Gescheiterter abzutreten. Etliche Wochen dauert es, bis er wieder in die Senkrechte kommt. Die Krücken legt er schnell wieder ab und geht ihnen mit dem hohlen Stock aus dem Weg, zudem offenbart sein durchtrainierter Körper wundersame Regenerationsfähigkeiten. Denn am 25. Mai 1968, keine fünf Monate nach Koma, Krücken und Knochensalat, steht er in Scottsdale, Arizona, schon wieder vor 13 querstehenden Mustangs – und fliegt. Mit diesem Sprung wird er zur lebenden Legende, denn wir erinnern uns: Ganz Amerika hatte seinen Crash in Las Vegas gesehen und quasi live miterlebt, wie heftig es den armen Kerl zertrümmert hat. Und jetzt steht der Typ schon wieder an der Rampe?! „No way!!“ Knievel ist jetzt ein „Must see!“

Zumal es ihn auch in Scottsdale wieder aus dem Sattel haut, Knievel zermalmt sich das rechte Bein und den Fuß gleich mit. Doch müssen sechs Wochen zur Genesung reichen, schließlich hat er am 6. Juli in Salt Lake City ein Date mit 13 Toyotas. Knievel verlangt jetzt 25.000 Dollar pro Sprung. Und natürlich kriegt er sie.

Vor allem das schlichte, chauvinistische Amerika liegt ihm zu Füßen, wozu auch sein patriotischer Aufzug und seine einfachen Lebensweisheiten beitragen. Er steht jetzt auf einer Stufe mit Sportgrößen wie Muhammad Ali oder O. J. Simpson und füllt die größten Hallen und Stadien des Landes. Bis zum August 1974 macht er rund 120 weitere Sprünge, immer höher, immer weiter. Doch Knievel lernt dazu. Nur zehn Sprünge enden mit einem Sturz (Hüfte, etliche Rückenwirbel, Schulter, mehrfach Schlüsselbein, Hand, Handgelenke, …), die große Mehrzahl jedoch landet er sicher. Was an dieser Stelle ausdrücklich gewürdigt sei.

Der Name Evel Knievel ist im kollektiven Gedächtnis zwar vornehmlich durch kapitale Stürze haften geblieben, seine Gesamtbilanz ist jedoch positiv, denn die weitaus meisten Sprünge gelingen. Das mag heute nicht mehr gar so phänomenal anmuten. Heute springt die Freestyle-Elite auf ultraleichten Power-Crossern mit High-Tech-Suspension einen zweifachen Vorwärtssalto mit Doppelschraube, wobei die richtig guten Jungs im Flug auch noch die sie verfolgende Kameradrohne umprogrammieren. Knievels Fluggeräte waren Motorräder der 60er und 70er: Honda, Norton, Laverda, Triumph, Harley – echte Eisenschweine. Mit Fahrwerken, die dem Stand der Technik entsprachen, also knapp jenseits der Blattfeder. Solch eine Wumme muss man erst mal landen.

Im Oktober 1973 bringt „Ideal Toys“ dann Evel Knievel als Action-Figur auf den Markt. Das damit einsetzende Merchandising sollte Knievel am Ende weit mehr Geld einbringen als seine Springerei, und das noch lange nach seiner aktiven Zeit. Kleine Jungs vertreiben sich mit zahllosen Evel-Knievel-Spielzeugen die Zeit, nehmen ihre Evel-Knievel-Lunchbox mit zur Schule und lesen abends unter der Bettdecke Evel-Knievel-Comics. Der Hype wird immer abstruser. Wie auch Knievels Größenwahn.

Der sich dann am 8. September 1974 endgültig Bahn bricht. Schon Jahre zuvor hatte Knievel seinen Plan in die Welt gesetzt, den Grand Canyon überspringen zu wollen. Doch die Behörden verboten es hartnäckig, dass er im staatlichen Nationalpark seine Rampen aufstellt. Schließlich stößt er auf adäquaten Ersatz in Twin Falls, Idaho, wo der Snake River einen mächtigen Canyon in den Berg gegraben hat. Er findet eine geeignete Stelle, die auch noch in Privatbesitz ist, und überredet den Grundbesitzer mit 35.000 Dollar, ihm die rund 300 Hektar Land zu verpachten. Eine Genehmigung braucht er damit nicht mehr, denn was er auf seinem eigenen Grundstück anstellt, ist allein seine Sache.

Steile Karriere: Knievels Versuch, den Snake River Canyon zu überspringen, wird von der halben Welt beobachtet.

Mit Anlauf, Rampe und Viertakter ist diese Nummer jedoch nicht mehr zu stemmen. Um die Flugstrecke von rund 500 Metern zu schaffen, steigt Knievel in ein Raketenmotorrad und lässt sich in steilem Winkel abschießen. Die halbe Welt wird nun Zeuge, wie der grenzwertige Schuss in die Hose geht. Der Fallschirm öffnet zu früh, die steile Flugkurve kippt jäh, und die spitze Metallröhre wird am Schirm zurück in den Canyon geweht – eine Option, die vorher wohl niemand einkalkuliert hatte. Denn es ist wieder einmal unfassbares Glück, dass Knievel nicht im Wasser landet, sondern wenige Meter vom Ufer entfernt an Land. Wäre er in den Fluss geplumpst, wäre er ertrunken. Man hatte ihn derart mit Gurten in dem glitzernden Zäpfchen fixiert, dass er sich nicht selber hätte abschnallen können. Wieder einmal war er spektakulär gescheitert, wieder einmal wurde er trotzdem gefeiert. Er hatte es ja immerhin versucht. Welch ein Teufelskerl!

Sein nächster Sprung führt ihn dann rund neun Monate später über den großen Teich, für den er allerdings auf einen Linienflug zurückgreift. Im Londoner Wembley-Stadion absolviert er vor 90.000 Zuschauern seinen ersten Sprung auf europäischem Boden. Dreizehn AEC Merlin-Doppeldecker-Busse hat man dort für ihn aufgereiht, und seine Landung erinnert doch stark an das Las-Vegas-Desaster. Er springt wieder mal zu kurz, bricht sich etwa so viele Knochen wie vor dem Ceasars Palace und spricht danach auch noch zum konsternierten Publikum. Und lässt so die Welt wissen, dass es jetzt endgültig genug sei: „I will never ever jump again!“ Was sich als glatte Lüge herausstellt.

Filmstoff: Evel Knievels Leben wird mehrmals verfilmt, in einem der Filme spielte er sich selber. Dieses Plakat wirbt für die Verfilmung mit George Hamilton in der Hauptrolle.

Denn fünf Monate später springt er in Mills, Ohio, einen neuen Weltrekord, überfliegt 14 Greyhound-Busse und obwohl der Rahmen seiner Harley bei der Landung bricht, bleibt er oben. Dieser Jump geht in die TV-Historie ein, denn er bricht alle je registrierten US-Einschaltquoten. Bis heute steht er auf der Liste der 20 meistgesehenen Sportveranstaltungen ganz oben, noch vor dem Kampf Muhammad Ali gegen Joe Frazier, vier weitere seiner Jumps finden sich auf dieser Liste. Erneut erklärt er seinen Rücktritt, wieder zu früh.

Erst Anfang 1977 passiert ihm das finale Malheur. In Chicago soll er ein 30 Meter breites Becken voller lebender Haie überspringen. Doch schon bei einem Probesprung verliert er nach der Landung die Kontrolle über sein Bike und kollidiert mit einem Kameramann, der dadurch ein Auge verliert. Knievel bricht sich zwar selber beide Arme, doch ist er derlei Kummer gewohnt. Was ihn jedoch zutiefst erschüttert, ist die Verletzung des Kameramanns. Erstmals war jemand anderes als er selbst durch seine Aktionen zu Schaden gekommen, für Knievel ein untrügliches Zeichen, dass jetzt wirklich Schluss sein muss: „Ein Profi sollte wissen, wann er weit genug gesprungen ist.“ Und so stellt er den Betrieb seiner Fluglinie endgültig ein.

Nochmal Wembley: Dreizehn AEC Merlin-Doppeldecker-Busse hat man dort für ihn aufgereiht, die er allesamt locker überfliegt. Seine Landung jedoch erinnert stark an das Las Vegas-Desaster.

Doch bleibt er eine öffentliche Person, nur ist die Aufmerksamkeit nun mehr auf ihn selbst als auf seine spektakulären Aktionen gerichtet. Seine einfache Herkunft, seine problematische Jugend und letztlich auch sein für viele völlig unverständliches Tun hatten ihn schon über seine gesamte Karriere hinweg auch zur Zielscheibe des Spotts gemacht. Bei so manchem TV-Auftritt sorgten zudem Showmaster vom Schlage eines Johnny Carson, Jay Leno oder Dean Martin dafür, dass er nicht immer gut aussah, der einfache, ungebildete Bursche aus Montana, der im Interview auch schon mal sagte: „I‘m a jumping son-of-a-bitch. I’ll jump anything!“

Hinzu kam, dass ihn vor allem seine Stürze berühmt gemacht hatten, weshalb man sich seiner vor allem als „Master of Disaster“ erinnerte. Er selber sah sich gerade deshalb als eine Art Heilsbringer: „Amerika war am Boden, saß auf seinem Arsch, als ich dann daherkam. Das Land brauchte jemanden, dem man vertrauen konnte und der ehrenhaft war. Sie brauchten jemanden, der Blut spuckte und sich die Knochen brach, jemanden, der sich wirklich verletzte. Ich habe nie aufgegeben, habe immer versucht, wieder aufzustehen. Und das brauchte Amerika mehr als alles andere in der Welt.“ Noch wenige Monate vor seinem Tod bekannte er sich in einer TV-Kirchen-Show dann auch noch zu Jesus Christus und schilderte haarklein, wann ihm wer und wo erschienen sei. Da war aber auch die Heroinpumpe schon lange in Betrieb.

Im Alter von 69 Jahren erlag Robin Craig „Evel“ Knievel – der Zeit seines Lebens weder eine Kranken- noch eine Lebensversicherung hatte und all seine Operationen selber zahlte – dann am 30. November 2007 in Clearwater, Florida, seiner langen und schweren Lungenerkrankung.

Und ein Held meiner Kindheit verließ für immer die Rampe.

Master of Disaster: Knievel sah sich gerade wegen seiner Bruchlandungen selber als eine Art Heilsbringer für das Land. „Amerika war am Boden, saß auf seinem Arsch, als ich dann daherkam. Das Land brauchte jemanden, dem man vertrauen konnte und der ehrenhaft war. Sie brauchten jemanden, der Blut spuckte und sich die Knochen brach, jemanden, der sich wirklich verletzte. Ich habe nie aufgegeben, habe immer versucht, wieder aufzustehen. Und das brauchte Amerika mehr als alles andere in der Welt.«