METALFLAKES – VER(F)LOCKENDE EFFEKTE

Metalflake-Lackierungen sind aufwändig, effektvoll und bei Customizern immer eine Option. Denn was am Ende dabei herauskommt, ist immer ein Einzelstück.

Glänzend: Fertige Harley-Verkleidung mit Metal Flake-Lackierung. Bis zu diesem Ergebnis sind viele Arbeitsschritte vonnöten.

Er hatte schon einen Rolls Royce für Zsa Zsa Gabor vergoldet, Cadillacs für Elvis Presley oder James Dean modifiziert, hatte extravagante Karossen für John Wayne, Bob Hope und Bing Crosby gebaut, bis ihn dann schließlich auch die Filmindustrie in Hollywood als Fahrzeug-Designer entdeckte. George Barris war spätestens seit Mitte der 50er Jahre einer der hellsten Sterne am US-Customizer-Himmel, baute u. a. das 1960er Batmobil, um später dann noch eine ganze Vielzahl berühmter Filmautos zu erschaffen, u. a. die Vehikel für die TV-Serien Mannix, Starsky & Hutch, Power Rangers oder auch Knight Rider.

Viel Flosse, keine Räder: Das »Hover-Car« XPAK 400 von Star-Customizer George Barris erhielt 1959 die erste »echte« Metalflake-Lackierung.

Im Jahr 1959 hatte er mit einer ganz besonderen Kreation auf sich aufmerksam gemacht und der versammelten Automobil-Prominenz aus Detroit mit dem XPAK 400 die Show gestohlen. Das Vehikel war kein Auto, kein Flugzeug, eher irgendwas dazwischen. Es schwebte auf einem Luftpolster, nannte sich »Hover Car« und zog auf der New York Auto Show alle Aufmerksamkeit auf sich. Doch hatte das futuristische Fahrzeug noch ein weiteres einmaliges Feature: die Lackierung nämlich. Weil er sich als Customizer längst einen landesweit bekannten Namen gemacht hatte, hatte ihm die Bobeckmun Company, eine Tochter des US-Chemie-Riesen Dow Chemical, für die Lackierung des XPAK 400 ein Testmuster eines revolutionär neuen Produktes zur Verfügung gestellt – einen Nitro-Cellulose-Lack, der Millionen von präzisionsgeschnittenen und beschichteten Aluminiumpartikeln enthielt, genannt »Metalflakes«.

Klassisch: Jet-Helm »Cosmic Flake Speedster« von Edelausstatter Davida.

So war diese drollige Luftnummer mit der Ausstrahlung einer Kirmes-Attraktion das allererste Fahrzeug überhaupt, das mit großindustriell hergestelltem, kurze Zeit später für jedermann käuflichen Metalflake-Lack lackiert wurde. Der XPAK 400 schaffte es zwar nicht ganz bis zur Serienreife und ist seit 1969 verschollen, Metalflakes jedoch waren fortan aus der Custom-Szene nicht mehr wegzudenken. Schon kurze Zeit nach der New Yorker Show wurde vom Customizer Dick Scritchfield das erste richtige Auto in ein kirschrotes Metalflake-Kleid gehüllt, ein 1932er Ford Roadster.

Doch auch zuvor schon hatte es vereinzelte Versuche gegeben, den geheimnisvoll tiefgründigen Schimmer auf Fahrzeugoberflächen zu zaubern, doch mussten die Flakes dabei noch mühsam per Hand aufgebracht werden. Auch von »Big Daddy« Ed Roth, einem weiteren Pionier der US-Car-Custom-Szene, ist überliefert, dass er die schillernden Flocken schon Mitte der 50er Jahre mit Hilfe eines durchlöcherten Schuhkartons auf die frisch lackierten Oberflächen streute. Den eigentlichen Ursprung dieser Technik hat man allerdings in Japan verortet, wo Künstler schon im 18. Jahrhundert winzig kleine Flocken aus echtem Blattgold in die Lacke streuten, mit denen sie Gefäße und Schmuckschatullen veredelten, diese Technik wurde unter dem Namen »Hirameji« bekannt.

Seit rund 60 Jahren sind die industriell hergestellten Werkstoffe also schon in der Welt, an der Lackierpraxis hat sich seitdem jedoch nichts Grundlegendes geändert. Sicher, die Technik hat sich weiterentwickelt, Spritzpistolen, Kompressoren, Trockenkabinen – all das ist moderner geworden und hat die Arbeitsbedingungen verbessert. Wirklich tadellose Ergebnisse sind heute deshalb vielleicht etwas leichter zu erzielen, doch extrem aufwändig sind Metalflake-Lackierungen nach wie vor. Und verlangen eine gewisse Erfahrung, denn wenn die Vorarbeiten an der Oberfläche auch mit denen bei einer normalen Lackierung weitgehend identisch sind, so ist die schillernde Lackierung im Weiteren doch erheblich arbeits- und damit auch zeitaufwändiger.

Meisterlich: Frank Peine vom Lackwerk Duisburg realisiert edle Metalflake-Oberflächen.

Wie sehr, liegt in der Hand des Kunden. Das beginnt schon mit der Auswahl der Flakes. Wie bei einer Metallic-Lackierung werden auch bei diesem Effektlack metallisch glänzende Partikel in den Lack gemischt, doch während sich die Größenangaben der Partikel bei Metallic-Lacken im Mikrometer-Bereich abspielen, misst man Metalflakes in Millimetern. Eingebürgert haben sich inzwischen die Klassifizierungen »Micro-Flakes« in den Größen S, M und L sowie »Big Flakes«. Die Flocken bestehen aus Aluminium, Messing oder auch Polyester, sind in zahllosen Farben erhältlich und wie hoch ihre Dichte im Lackbild sein soll, kann man mit der beigegebenen Menge steuern.

»Je größer die Fläche, desto kleiner sind zumeist die Flakes«, klärt Frank Peine mich auf, der im Lackwerk Duisburg häufiger solche Lackierungen vornimmt. »Bei kleineren Flakes sind später nicht so viele Klarlackschichten nötig, dadurch wird die Lackierung dann etwas günstiger. Denn weniger Klarlackschichten bedeutet auch weniger Schleifarbeit. Die großen Flakes nimmt man gerne für kleinere Teile, also Motorradtanks, Verkleidungen, Fender, Helme, usw.«

Custom-Classics: Metalflakes hatten ihre Hochzeit in den 70er Jahren.

Auf Frank war ich vor rund einem Jahr schon gestoßen, als ich beim Umbau meines XS 750-Trackers noch Ressourcen im Budget entdeckte, die es mir ermöglichten, dem Triple noch eine edle Lackierung zu spendieren. Bei der Suche nach einem geeigneten Fachmann in der Gegend fiel oft genug sein Name, mir reichte dann schon ein Termin mit ihm, um mich mit meinem Tank und meiner Sitzbank vorbehaltlos in seine Hände zu geben. Frank ist selber überzeugter Harley-Fahrer, hat zudem schon etliche seiner eigenen Bikes umgebaut und entsprechend viel Kundschaft aus der Custom-Szene. So fielen mir damals schon diverse Fahrzeuge in seiner Lackiererei auf, deren Metalflake-Oberflächen die Erinnerung an die 70er-Jahre in mir wieder wachwerden ließen. Tatsächlich überlegte ich selbst einen kurzen Moment, ob dieser schillernde Lack nicht auch der XS gut stehen würde – aber so groß waren die Budget-Ressourcen am Ende dann doch nicht.

Doch ist er nun der ideale Mann, um mir zu erklären, wie eine solche Metalflake-Lackierung vonstatten geht. »Die Vorarbeiten sind ja bekannt, da ist nichts anders als sonst. Bei dem Fender hier hatten wir nur die Besonderheit, dass das Kennzeichen bündig eingelassen werden sollte, da mussten wir erst mal reichlich Material wegnehmen und dann von hinten mit GFK wieder unterfüttern, damit es weiterhin stabil ist.« Der Fender gehört zu einem riesigen Harley-Bagger, der gerade in Franks Werkstatt veredelt wird. Auf den vorbereiteten Fender wird als erster Untergrund dann zunächst Spritzspachtel aufgebracht, gefolgt vom sogenannten Füller, der alle Unebenheiten glättet. Nach dem Trocknen wird der Füller gründlichst geschliffen, bevor dann der eigentliche Farblack an der Reihe ist. Im Falle des Fenders fiel die Wahl auf ein satt-glänzendes Schwarz, denn diese Basisfarbe sorgt später für die gewünschte Tiefe des Farbbilds. Ist der schwarze Lack trocken, sind die Flakes an der Reihe, und spätestens hier wird es knifflig. »Entscheidend ist die Verteilung der Flakes im Lack. Wenn du am Ende eine gleichmäßige Deckung hinkriegen willst, musst du sehr sorgfältig arbeiten.«

Voll Seventies: So könnte auch ein alter Gottlieb-Flipper heißen.

Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Flakes auf die Oberfläche zu bekommen. Manche mischen sie direkt in den Klarlack und sprühen sie mit einer herkömmlichen Spritzpistole und grober Düse auf, Frank hingegen nimmt hierfür eine »Flake Gun«. »Wenn du die Flakes direkt mit dem Klarlack sprühst, musst du die Partikel im Spritzbecher immer gleichmäßig in der Schwebe halten, sonst kriegst du keine vernünftige Verteilung hin. Das ist schwierig, da kannst du noch so oft schütteln. Man kann auch kleine Stahl- oder Glaskugeln mit in den Becher geben, das hilft schon bei der Durchmischung. Es gibt für solche Fälle sogar Spritzbecher mit Rührwerken, aber die besten Ergebnisse erzielt du, wenn du Klarlack und Flakes separat aufträgst.«

Mit der Flake Gun werden die Flakes also trocken mit Druckluft auf eine noch nasse Klarlackschicht gesprüht, spezielle Düsen fächern die Partikel dabei gleichmäßig auf. »Du darfst nur nicht mit zu viel Druck arbeiten, sonst springen die Partikel von der Fläche ab. Mit der Zeit hat man es dann auch raus, welche Menge an Flakes am Ende welches Bild ergeben, ist nur immer schwierig, das vorher dem Kunden zu vermitteln.« Denn Farb-Musterkarten der Hersteller gibt es bei Metalflake-Lacken nicht, auch keine Datenblätter oder Anleitungen, wie die Flakes aufgetragen werden, weshalb Frank schon auf ein paar Skateboards seine eigenen Lackmuster angefertigt hat. »Da kann man sich dann leichter an die gewünschte Partikeldichte und Intensität herantasten. Dann gibt’s hinterher keine bösen Überraschungen.«

Fertig: Am Ende »verschwinden« die Flakes unter etlichen Schichten Klarlack.

Für den Fender der Harley hat man sich für silberne Flakes entschieden, die nach dem Aufbringen auf den noch feuchten Klarlack dann zunächst mit Druckluft an die Oberfläche angepresst werden. Ist diese glitzernde Schicht getrocknet, wird sie erneut gründlich geschliffen, bis dann die eigentliche Farbe ins Spiel kommt: der Candy-Lack. Dabei handelt es sich um transparente Lasurlacke, die in vielen Farben erhältlich sind und die nun über die Metalflake-Schicht gesprüht werden – je mehr Schichten, desto intensiver der Farbton. Diese Candy-Lasuren sind allerdings mit größter Sorgfalt zu verarbeiten, denn während nicht durchscheinende Lacke geschliffen werden können, wenn mal eine Nase läuft, geht das bei den transparenten Candy-Lasuren nicht. Ist eine Candy-Lackierung verdorben, kann man sie nicht mehr ausbessern oder aufarbeiten, diese Option hat man nicht. »Da muss dann alles wieder runter, da fängst du ganz von vorne an.

Ist aber seit hundert Jahren nicht mehr passiert«, lacht Frank.

Schwer zu fotografieren: Metalflake-Lackierungen bestechen durch eine große Tiefe und scheinen von innen zu glänzen.